Vorbereitung zur Veredelung von Obstgehölzen
Was ist ein Edelreis?
Ein Edelreis ist ein Trieb von einem Baum der Obstsorte, die man vermehren möchte.
Wo schneide ich ab?
Die besten „Anwuchs-Chancen“ bei einer Veredelung haben einjährige Triebe. Also der Abschnitt, der im
letzten Jahr an den Baum dazu gewachsen ist. Gerne kann das auch ein „Wasserreiser“ sein. (Bitte keine
Leitastspitzen oder die Stammverlängerung, also die oberste Spitze, herunter schneiden! *)
Des Weiteren erkennt man einen einjährigen Trieb daran, dass er in der Regel nicht verzweigt ist, sondern nur
anliegende Knospen hat. Diese Knospen bilden im nächsten Jahr Seitentriebe aus.
Die Reiser, die Sie zum Veredeln nutzen möchten, sollten nicht zu dünn sein (min. Bleistiftstärke). Das kann
bei älteren Bäumen manchmal schwierig werden, da diese, wenn die Bäume ausgewachsen sind, immer
kürzere und schwächere Triebe machen. In diesem Fall funktioniert die Veredelung bei einer guten
Ausführung meistens auch mit einem zweijährigen Trieb. Dadurch kann sich allerdings die Entwicklung des
neuen Bäumchens verzögern.
Wenn möglich bringen Sie lieber ein paar mehr Triebe mit, falls Sie sich „verschnitzen“.
Markieren Sie die Zweige deutlich und sicher sofort nach dem Abschneiden! Am besten jedes Reis einzeln
und auch wenn Sie nicht wissen um welche Sorte es sich handelt („schiefer Apfelbaum am Brunnen“).
Wann schneide ich die Edelreiser?
Der Erntezeitpunkt der Reiser bei einer Winterhandveredelung sollte in „Saftruhe“ geschehen. Das Aufsteigen
der Baumsäfte hängt von der Winterwitterung und der Baumart ab.
Kernobstarten wie Apfel, Birne und Quitte lassen sich Richtung Frühjahr etwas mehr Zeit. Die Reiser dieser
Sorten können Sie unbedenklich bis Ende Februar ernten und veredeln.
Bei Steinobstarten (Kirschen, Pflaumen, etc.) sollten Sie früher dran sein. Wer auf der sicheren Seite sein
möchte, hat seine Reiser bis Mitte Januar geschnitten. Das heißt nicht, dass die Gewinnung und Veredelung
danach unmöglich wird, aber die Wahrscheinlichkeit des Anwachsens nimmt ab.
Wie lagere ich meine Edelreiser?
Schneidet man die Reiser länger vor der Veredelung, müssen sie gut gelagert werden um vital zu bleiben.
Das ist ein Balanceakt zwischen
feucht, aber nicht schimmelnd und
kalt, aber kein ständiges Wechselspiel zwischen einfrieren und auftauen.
Geeignete Lagerorte wären ein sehr kalter Keller oder Schuppen (ca. 5°C), in dem die
Temperaturschwankungen von Sonne und Frost einigermaßen ausgeglichen sind. Wichtig dabei die ist Zufuhr
von Außenluft, um die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten.
Um der Austrocknung der Schnittstellen noch besser vorzubeugen, sollten die Edelreiser in eine Plastiktüte
gewickelt werden. Die Tüte liegend lagern und nicht vollständig verschließen, um eine geringe Zirkulation der
Luft zu ermöglichen.
- Wenn dieser Satz ein Fragezeichen in Ihrem Kopf hinterlässt, besuchen Sie doch gerne unseren Schnittkurs für Obstbäume.
